…………….. aus dem Alltag Mit Brecheisen, Hammer und Zange

Umzüge kennt jeder, schätzt keiner. Als notwendiges Übel „bereichern“ sie unser Leben und bieten viele Gemeinheiten.

Dennoch, wird schon gutgehen, dachte ich und organisierte voller Tatendrang jede Menge

Umzugkartons für meinen bevorstehenden Wohnungswechsel.

Langsam leerten sich die Schränke. Aber die Kartons erwiesen sich schnell als zu klein. Durch die bereits gepackten und gestapelten Gepäckstücke war inzwischen eine gewisse Raumnot entstanden. Der Slalom durch die abgestellten Hindernisse führte dann auch recht bald zu schlechter Laune. Dennoch wurde das Umzugsgut gewissenhaft beschriftet, und ich wunderte mich, dass die Schränke offenbar über ein nie gekanntes Fassungsvermögen verfügten. Eigentlich war dort doch nie genug Platz gewesen.

 

Der Umzugstag warf düstere Schatten voraus. Es erschienen ein übersichtlicher Möbelwagen und drei minder gelaunte Umzugshelfer. Nach einem kurzen Überblick und Stirnrunzeln die Frage: „Muss das alles mit?“

In der neuen Wohnung machte trotz aller Anstrengungen als erstes der Kleiderschrank schlapp und ließ sich nicht mehr standfest aufstellen. Mir wurde geraten, den Schrank nicht zu belasten, bevor nicht diese oder jene Reparatur vorgenommen würde. Weiteres Ungemach beim Küchenaufbau. Wasser marsch, dachte der Wasseranschluß für die Spülmaschine und zeigte sich ohne Aufforderung voll funktionsfähig. Der herbeigerufene Hausmeister schaute mich tadelnd an, bevor er sich am Haupthahn zu schaffen machte.

Bald glich mein neues Heim dem Nachtlager von Granada. Trotz minutiöser Beschriftung der verpackten Habseligkeiten war das, was gerade gesucht und dringend gebraucht wurde, nicht auffindbar.

In den folgenden Tagen wuchs und wuchs der Bart meiner Ehehälfte, und täglich stellten

wir uns erneut dem Quiz: wo ist der Rasierapparat? Da der Dreitagebart jedoch vorerst noch hinnehmbar war, widmeten wir uns dringenderen Suchaktionen.

 

Stolz auf meinen neuen großen Keller half ich, Überflüssiges ins Untergeschoß zu schaffen, hatte jedoch vergessen, die Wohnungstür zu schließen. Und so stellte sich mir bei meiner Rückkehr etwas Großes, Grauweißes in den Weg und empfing mich mit unüberhörbarem freudigen Gebell. „Unser Flöckchen mag Sie“ hörte ich eine Stimme hinter mir, und ein älterer Herr zeigte sich entzückt, dass Haushund Flöckchen mich so spontan ins Herz geschlossen hatte. Nicht in der Lage, diese Zuneigung angemessen zu erwidern, wunderte ich mich über die Größe des Flöckchens und hoffte inständig, dass er bald mein neues Sofa freigeben würde. Fazit: Tür zu – sonst Flöckchengefahr.

 

Und er wächst und wächst weiter – der Bart. Ganze 10 Tage sind inzwischen vergangen. Immer noch gehören Kartons zu unseren neuen Einrichtungsgegenständen und ich beweise, dass man ein Kleid sogar an vielen Tagen hintereinander tragen kann.

 

Erst langsam greift das Gefühl einer gewissen Übersicht und Kontrolle.

Zur Ausweitung der Wohnfläche entschloss ich mich, wieder einiges in den Keller zu

 

schaffen. Mit einem kleinen Schloss hatte ich inzwischen die Kellertür gesichert, und die Schlüssel dazu befanden sich an einem sicheren Ort. Dummerweise fiel mir dann aber partout nicht ein, wo dieser Ort war. Ausgedehnte Suchaktionen brachten nichts.

Aber hatte ich nicht inzwischen gelernt, Gemeinheiten die Stirn zu bieten?

 

Im Baumarkt erstand ich eine Brechzange, einen großen Hammer und ein neues Schloss. Und wenn mir noch einmal jemand weismachen will, dass Gewalt nichts bringt, dem beweise ich das Gegenteil: Nur nackte Gewalt führt in den Keller.                 -eda-

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